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Der Hund bei der Arbeit
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Techniken für die Zucht und den Umgang mit dem Abruzzesischen Hütehund

Die Grundlagen

Das erste Element, das von grundlegender Bedeutung ist, ist der Geburtsort der Welpen. Es ist  wünschenswert, dass die Hündin in der Nähe oder besser noch in Mitten der Schafe ihre Welpen zur Welt bringt.
Dies ist wichtig, damit die neugeborenen Welpen die Schafe mit ihrem Geruchssinn wahrnehmen, noch bevor sie die Augen öffnen. Dies wird als erste Phase des Imprinting bezeichnet. Das Imprinting erfolgt in verschiedenen Abschnitten des Entwicklungsalters der Lebewesen, wobei sich einige Details unauslöschbar im Gedächtnis einprägen. Der Welpe muss die Schafe als Artgenossen wahrnehmen, sowie sich unter ihnen sicher und wohl fühlen. Die Rede ist von der berühmten Bedingung, die von Konrad Lorenz nachvollzogen wurde, als er dafür sorgte, dass gerade geborene Küken als erstes gelbe Stiefel sahen (die von Lorenz getragen wurden), die ab diesem Zeitpunkt zu ihrer Mutter geworden waren. Auf gleiche Weise ist es wichtig, dass die Welpen gleichzeitig den Geruch des Menschen wahrnehmen, so dass sie ihn nicht als einen Außenstehenden betrachten, dem Misstrauen entgegengebracht wird.
Es ist notwendig, dass die Welpen zumindest drei oder vier Mal zu verschiedenen Zeitpunkten in die Hand genommen werden, was aber auch nicht zu häufig geschehen darf, um das Entstehen einer zu engen Verbindung zu vermeiden. Auch in der Zukunft müssen sich die Beziehungen zwischen Mensch und Hund auf die primären Erfordernisse beschränken, wie Ernährung und Pflege.

Wichtige Elemente

Sollte es nicht möglich sein, von diesen günstigen Voraussetzungen auszugehen, heißt dies jedoch nicht, dass alles auf dem Spiel steht. Bei der Mehrzahl der Hunde dieser Rasse hat sich die Bindung an die Schafe im Laufe der Jahrhunderte genetisch gefestigt. Deshalb dient der oben beschriebene Vorgang im Wesentlichen dazu, diese Veranlagung zu verstärken, damit die so erzielten Eigenschaften an die kommenden Generationen weiter gegeben werden. So kann es ausreichend sein, dass Welpen aus rustikaler  Abstammung (d.h. aus dem Bereich der Arbeit mit der Herde in einem Abstand von höchstens zwei Generationen stammend) möglichst bald in die Herde eingegliedert werden, d.h. sofort nach der Entwöhnung. Dies erfolgt, um eine schnelle und bessere Anpassung an die neue Umgebung zu begünstigen, damit der Welpe das Vorhandensein der Schafe mit dem Bewusstsein für sein Territorium verknüpft.

Aufteilung der Welpen

Die Welpen sollten immer in Geschwisterpaaren des gleichen Geschlechtes verteilt werden. Dies dient dazu, die Eingliederung zu erleichtern, da sie sich nicht allein fühlen und sich gegenseitig Mut machen. Auch während des Heranwachsens und der Ausbildung entsteht und festigt sich zwischen ihnen eine Art Zusammenhalt, der die Effizienz bei der Arbeit erhöht und sie zu sich ergänzenden Tieren macht.
Da sie zudem die Möglichkeit haben, miteinander zu spielen, belästigen sie die Lämmer und jungen Schafe weniger. Es ist wichtig, dass sie das gleiche Geschlecht haben und in Gruppen von höchstens zwei Tieren arbeiten, damit eine Paarung zwischen ihnen vermieden wird und sich zu viele Tiere mit der gleichen Blutsverwandtschaft im Rudel befinden. Es ist bekannt, dass in einem Rudel lebende Tiere sich miteinander auf spontane Weise paaren. Deshalb sind wir darum bemüht, verschiedene Zuchtlinien und mit möglichst voneinander entfernten Ursprüngen zu halten.
Ein Beispiel: wer eine Meute mit sechs bis acht Hunden hat, kann mit einem Geschwisterpaar von Rüden und einem von Hündinnen beginnen, die aus Hundewürfen mit nicht untereinander verwandten Hunden stammen. Es genügt, ein paar alte und erfahrene Hunde zu haben, die die Arbeit garantieren und die jungen Hunde anlernen, so dass man im Laufe von gerade einmal einem Jahr eine eingespielte Meute hat.

Eingliederung in die Herde

Was muss man bei der Eingliederung des Welpen in der Herde beachten? Die Welpen werden anfangs Entsprechend getrennt, jedoch durch Konstruktionen die den Sicht- und Geruchskontakt ermöglichen, in den Schafstall oder Pferch eingeführt. Es genügen ein Gitter oder senkrecht aufgestellte Holzpaletten, um einen den Welpen vorbehaltenen Bereich zu schaffen, wo diese nicht direkt mit den Schafen in Kontakt kommen. Diese Maßnahme ist notwendig, da die Schafe Zeit benötigen, um sich an die Eindringlinge zu gewöhnen und sie zu akzeptieren. Sie könnten diese kleinen Wollknäule angreifen und verletzen, wodurch ein gutes Verhältnis in der Zukunft beeinträchtigt würde. So würde es zu einem negativen Imprinting kommen. Manchmal besteht sogar die Gefahr, dass sie getötet werden.
Wenn die Welpen größer sind und sich unter den Schafen frei bewegen, richten ein paar Stöße Keinen Schaden an, da ein unterlegenes Verhalten des Hundes gegenüber dem Schaf hervorgerufen wird, das eine Garantie für den zukünftigen Respekt seitens der Hunde gegenüber den Schafen sein wird.
Außerdem ist es wichtig, dass sich die Welpen daran gewöhnen, sich etwa die gleichen Tagesrhythmen wie die Schafe anzueignen, indem sie den Schafstall oder Pferch zusammen mit ihnen betreten oder verlassen.
Auf diese Weise entsteht eine zeitliche und räumliche Bindung, die die Verbundenheit begünstigt.

Beziehung Mensch - Welpe

Welches Verhalten sollte der Mensch gegenüber den Welpen zeigen? Wir haben bereits erwähnt, dass sich die Beziehungen auf die wesentlichen Dinge beschränken müssen. Die Momente eines Kontaktes und einer Kommunikation reduzieren sich so auf die Ernährung, die eventuelle Pflege und im Bedarfsfall auf die Rüge. Die Welpen werden in einigen Fällen versuchen, die Person zu “begrüßen”, die sie am häufigsten antreffen, die sie nährt usw. Dieses Verhalten muss verhindert werden, wie auch unbedingt eine Aufforderung zum Spiel zu vermeiden ist. Sollte es zu Spieleinladungen oder zur Bezeugung von Zuneigung kommen, müssen die Welpen mit leichten Tritten oder sanften Schlägen auf die Schnauze entfernt werden, wobei in unerbittlichem Ton ein Befehl zu erteilen ist, der unter den Schäfern im Allgemeinen “Geh zu den Schafen” ist. Gleichsam dürfen eventuelle Strafen gegenüber den Hunden niemals vorgenommen werden, wenn sie zwischen den Schafen Zuflucht suchen. Dies alles sorgt dafür, dass ihr Platz zwischen den Schafen am beliebtesten ist, da er als der sicherste wahrgenommen wird. Die Herde muss zum angenehmsten und angestrebten Bereich für die zukünftigen Hüter werden.

Das Lernen

Im Abschnitt zur Eingliederung der Welpen wurde erläutert, dass ein paarweises Einfügen unter anderem Spiel zwischen ihnen fördert und die Möglichkeit begrenzt, dass der Welpe seinen Spielbedarf an den Lämmern abreagiert. Da das Spiel die Einleitung zum räuberischen Verhalten ist, ist leicht zu verstehen, dass es vollkommen unangebracht ist, dass die Hunde mit den Schafen spielen.
Dies erfolgt nicht oft, ist aber vor allem nicht wünschenswert. Jedoch kann es geschehen, dass Anzeichen für dieses Verhalten auftreten, die unbedingt und kohärent zu unterdrücken sind.
Hier ist es angebracht, zu wiederholen, dass ein weniger starker Schlag auf die Schnauze wirksamer ist, als ein stärkerer auf ein beliebiges anderes Körperteil. Der Hund erlebt im ersten Fall ein wesentlich stärkeres Unbehagen, als im zweiten und prägt sich dieses Erlebnis im Gedächtnis ein. Die Ausbildungsphase überschneidet sich mit der zweiten Phase des Imprinting, im Wesentlichen zum Zeitraum der stärksten Lernfähigkeit des Hundes gehört, d.h. zwischen dem dritten und achten Lebensmonat.

Die Ausbildung

Die Ausbildung erfolgt ausschließlich durch andere, ausgewachsene Hunde. So kann eigentlich nicht von Ausbildung gesprochen werden, da die Welpen von den ausgewachsenen Hunden lernen und erst durch ihre richtige Eingliederung im Rudel wirksam und nützlich werden. Deshalb ist es wichtig, auch über einige ältere Tiere zu verfügen, die Erfahrung bei ihrer Arbeit haben und die Neulinge anlernen. Ist diese Möglichkeit nicht gegeben, muss man jedoch nicht verzweifeln. In jedem Falle ist es günstiger bei Null zu beginnen, als überhaupt nicht über für die Arbeit geeignete Tiere zu verfügen, die nur schlechte Lehren erteilen und für das gute Gelingen der Meute nachträglich wären. Welche Wahrscheinlichkeit besteht also, dass eine Gruppe von Welpen auch ohne Führung durch einen älteren und erfahrenen Herdenschutzhund zu einem guten Rudel wird? Die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Vorhaben gelingt, ist dennoch hoch und ich möchte den Grund dafür erläutern. So bilden die Welpen, während sie im Rudel heranwachsen und sich ihre Position darin erobern, eine eng miteinander verbundene Gruppe, die aus Instinkt dazu neigt, ihr Territorium und die damit  verbundenen Elemente (d.h. die Schafe) zu verteidigen. Der Schäfer muss möglichst ein natürliches Verhalten zeigen und die Hunde, die sich ebenfalls derart verhalten, beginnen, jede einzelne Emotion des Menschen wahrzunehmen und zu interpretieren. Gerade der Instinkt dieser Hunde macht sie zu etwas derart Besonderen und bringt sie somit ihrem Antagonisten schlechthin nahe, dem Wolf. Wie auch er weisen sie eine starke Komponente des Instinkts und der Intuition auf und, wie die Wölfe eine Angriffsstrategie verfolgen, verfolgen die Hütehunde eine Verteidigungsstrategie. Aus diesem Grund sind sie derart zuverlässig und unersetzlich.

Die Paarung

Die Paarungen in einem Rudel sollten aus einer Reihe von Gründen nicht durch den Menschen gesteuert werden. Es ist immer günstiger, dass sich der Rudelführer das Deckrecht erstreitet.
Jedoch gibt es, abgesehen von eventuellen Erfordernissen einer Auswahl, die auf die Verbesserung oder Stärkung der morphologischen Eigenschaften abziehen, einige Dinge, die beachtet werden sollten.
Bei einer Gruppe von Hunden, in der die ältesten Rüden Brüder aus dem gleichen Wurf sind, ist es besser, wenn der dominierende Rüde das Decken vornimmt, um den Nachkommen neben den morphologischen Eigenschaften auch den dominierenden Charakter weiterzugeben. Gleiches gilt, wenn die ältesten Rüden zwar aus anderen Zuchtlinien stammen, aber die gleichen morphologische  und charakterlichen Eigenschaften aufweisen. Hier wird es jedoch wichtig, die Hündin nach zwei, maximale vier Deckungen aus dem Rudel zu entfernen. Dies ist notwendig, da der dominierende Rüde bei den Hütehunden manchmal nach den ersten “Gefühlsausbrüchen“ ein vermindertes Interesse für die Hündin zeigt. Da er dadurch weniger aufmerksam und beharrlich wird, könnte es möglich sein, dass sie von den anderen Rüden gedeckt wird. In diesem Fall würde keine Gewissheit über die Vaterschaft der Welpen mehr bestehen, d.h. welche Welpen von welchem Rüden Stammen, womit die Möglichkeit der Bewertung hinsichtlich der Vererbungsfähigkeiten der Rüden des Rudels entfallen würde. Zudem bestünde die Gefahr, dass die Hündin sogar von einem unbekannten Rüden gedeckt wird, der aus einer anderen Herde zugewandert oder wildernden Ursprungs ist.
Stattdessen müssen die Paarungen durch Isolierung der gewählten Paare in den Fällen vollkommen gesteuert werden, in denen:
 
1) Die ältesten Hunde nur zum Anlernen der Junghunde dienen, es aber an den erforderlichen morphologischen Eigenschaften fehlt, um die Aufrechterhaltung der Übereinstimmung mit dem Rassenstandard zu garantieren;
2) Die Notwendigkeit besteht, neue Zuchtlinien einzuführen, um die Gesundheit der eigenen Meute zu verbessern, in der die Gefahr einer übermäßigen Blutsverwandtschaft mit den entsprechenden Folgen besteht (Zunahme von Krankheiten und Rückentwicklung der morphologischen Eigenschaften).

VERTEIDIGUNGSSTRATEGIE

Wie die im Rudel jagenden Raubtiere eine Angriffsstrategie haben,
nutzt auch der Hütehund eine Verteidigungsstrategie.

“IL Comitato tecnico dell’ACGA”